Für   jeden   Trader   stellt   sich   die   Frage,   wie   er   seine   Handelsentscheidungen   trifft.   Hierfür   können   zwei   grundsätzliche   Ansätze   verfolgt   werden.   Zum   Einen   ist   dies   der diskretionäre    Ansatz,    bei    dem    die    Entscheidungen    intuitiv    getroffen    werden.    Die    alternative    Herangehensweise    ist    der    systematische    Tradingansatz    mit    Hilfe    von Handelssystemen. Diskretionärer Ansatz Bei    einem    diskretionären    Ansatz    trifft    der    Trader    seine    Handelsentscheidungen    intuitiv    auf    Grund    der    ihm    vorliegenden    Daten.    In    der    Regel        basieren    die Handelsentscheidungen   auf   der   Analyse   von   Fundamentaldaten   oder   mit   Hilfe   von   technisch   oder   quantitativen   Analysemodellen.   Diese   Modelle   werden   jedoch   lediglich unterstützend   eingesetzt.   Manche   diskretionären      Händler   verlassen   sich   ausschließlich   auf   ihr   Bauchgefühl   und   treffen   so   ihre   Handelsentscheidungen.   Diese   Trader verfügen   meist   über   eine   jahrelange   Erfahrung   in   den   Finanzmärkten.   Sie   interpretieren   das   Marktverhalten,   sowie   die   aktuelle   Nachrichtenlage   und   treffen   aufgrund   von diesen Informationen ihre Handelsentscheidungen. Systematisch automatisierter Ansatz Klassifizierung Bei   automatischen   Handelssystemen   handelt   es   sich   um   computergestützte   Systeme,   mit   deren   Hilfe   Handelsentscheidungen   getroffen   werden.   Diese   Entscheidungen basieren   auf   einem   vorher   festgelegten   Regelwerk,   daher   werden   solche   Ansätze   auch   als   algorithmischer   Handel   oder   als   Roboter   bezeichnet.   Die   Umsetzung   der Handelsentscheidungen   erfolgt   meist   automatisiert,   das   heißt,   dass   sobald   der   Algorithmus   ein   Kaufsignal   generiert,   dieses   automatisch   an   den   Broker   gesendet   wird.   In diesen Prozess ist meist auch ein Regelwerk eingebunden, welches aufgrund von Risikoparametern die Positionsgröße berechnet. Diese systematischen Handelsansätze können aufgrund der Art und Weise wie sie ihre Handelsentscheidungen treffen in verschiedene Typen eingeteilt werden. Trendfolger Trendfolgestrategien   versuchen   in   einem   bestehenden   oder   beginnenden   Trend   zu   investieren.   Bei   einem   Aufwärtstrend   versucht   dieser   Ansatz   den   Trend   möglichst   lange auszunutzen   und   schließt   eine   Position   erst   dann,   wenn   der   Trend   nicht   mehr   intakt   ist.   Das   Kriterium   wann   ein   Trend   nicht   mehr   gültig   ist,   wird   innerhalb   des   Regelwerks   fest definiert. Trendfolgeansätze   haben   meist   eine   vergleichsweise   geringe   Handelsfrequenz   und   eine   Trefferquote   die   meist   unter   50%   liegt.   Charakteristisch   für   diese   Ansätze   ist,   dass   der Großteil   des   Gewinns   mittels   einiger   weniger   Trades   verdient   wird.   Das   sind   die   Trades,   bei   denen   es   gelingt   sich   in   einem   Trend   zu   positionieren,   der   sehr   lange   andauert und mit einem deutlichen Anstieg oder Rückgang verbunden ist. Ein   solcher   Trend   kann   bei   langfristig   orientierten   Trendfolgern   auch   über   mehrere   Jahre   andauern.   Es   existieren   aber   auch   kurzfristige   Trendfolgestrategien,   die   in   wesentlich kürzeren Zeiträumen agieren. Ausbruchsstrategie Für   systematische   Handelsansätze,   welche   auf   Ausbruchsstrategien   beruhen   wird   vorab   ein   Bereich   durch   einen   Kanal   definiert.   Verlassen   die   Preise   den   ausgewählten Kanal, leiten die Handelssysteme Trades in Richtung dieses Ausbruches ein. Diesen   Ansatz   verfolgten   beispielsweise   die   sogenannten   "Turtle-Trader"   im   Anfang   der   1980er   Jahre.      Sie   definieren   die   Handelsspanne   der   letzten   55   Tage   und   sobald   die Preise   über   die   obere   Begrenzung   dieser   Spanne   ausgebrochen   sind   wurde   das   Finanzinstrument   gekauft.   Bei   einem   Ausbruch   unter   die   untere   Begrenzung   wurde entsprechend ein Verkauf getätigt. Ein wesentlicher Faktor in dieser Strategie war die Bestimmung der Positionsgröße mittels eines festen Regelwerks. Eine    Ausbruchstrategie,    kann    auch    kurzfristig    orientiert    und    als    reine    Intraday-Tradingstrategie    definiert    sein.    Beim    Opening-Range-Breakout-Ansatz    bestimmt    die Handelsspanne der ersten Handelsminuten die obere und untere Begrenzung des Kanals und der Ausbruch aus dieser Spanne wird für das Eingehen einer Position genutzt. Countertrend Countertrendstrategien   basieren   auf   dem   Ansatz   das   nahende   Ende   eines   bestehenden   Trends   durch   die   Ermittlung   von   Umkehrpunkten   zu   bestimmen,   um   sich   dann   gegen den   bestehenden   Trend   zu   positionieren.   Im   Gegensatz   zu   den   Trendfolgenstrategien   antizipieren   diese   Ansätze   das   Ende   eines   Trends.   In   einem   steigenden   Markt versuchen   Countertrendstrategien   einen   Zeitpunkt   für   das   eingehen   einer   Short-Position   zu   bestimmen.   Dieser   Trade   ist   dann   erfolgreich,   wenn   sich   ein   Abwärtstrend entwickelt, oder zumindest ein Rücksetzer der Preise erfolgt. Vor-und Nachteile  automatisierter Handelssysteme Computergestützte Handelssysteme sind nicht für jeden Anleger im gleichen Maße geeignet. Sofern   der   Händler   das   Regelwerk   einer   systematischen   Handelsstrategie   nicht   selbst   definiert   hat,   ist   der   Entscheidungsprozeß,   wann   eine   Position   eröffnet   und   wann geschlossen   wird,   für   den   Trader   nicht   transparent.   Deshalb   werden   solche   Handelsstrategien   auch   als   "Black-Box"-Strategien   bezeichnet.   Es   Bedarf   daher   eines   großen Vertrauens in die Entwickler einer solchen Handelsstrategie. Wenn   ein   Händler   selbst   eine   eigene   Handelssystematik   entwickelt,   kann   er   das   Black-Box   Problem   verhindern,   jedoch   erfordert   dies   Programmierkenntnisse   und   auch Erfahrung mit der eingesetzten Software, die zur Umsetzung der Strategie eingesetzt werden soll. Eine fehlerhafte Programmierung kann schnell zu Verlusten führen. Des    Weiteren    können    technische    Probleme    zu    Störungen    führen,    welche    das    Handelsergebnis    empfindlich    negativ    beeinflussen    können.    Je    nach    dem    Grad    der Professionalität   des   Teilnehmers   können   der   Einsatz   von   redundanten   Techniken   die   Wahrscheinlich   von   Ausfällen   erheblich   bis   nahezu   vollständig   eliminieren.   Ein   wichtiger Aspekt hierfür ist die unterbrechungsfreie Verbindung zum Broker. Denn bei einer unterbrochenen Verbindung kann die Strategie nicht mehr korrekt umgesetzt werden. Die   technische   Stabilität   einer   Handelsstrategie   wird   insbesondere   während   der   Veröffentlichung   wichtiger   Nachrichten   auf   die   Probe   gestellt.   Hier   kann   es   innerhalb   kürzester Zeit   zu   deutlichen   Kursausschlägen   kommen.   Auch   während   sogenannter   "Flash-Crashs"   kann   eine   Handelsstrategie   bei   unzureichender   Implementierung   das   festgelegte Regelwerk möglicherweise nicht mehr korrekt umsetzt werden. Ein   weiterer   Punkt,   der   die   Zuverlässigkeit   einer   automatisierten   Handelsstrategie   beeinträchtigen   kann,   ist   die   Kursdatenversorgung   der   Strategie.   Bei   einigen   Anbietern   von Echtzeitdaten    kann    es    vorkommen,    dass    fehlerhafte    Preisdaten    versendet    werden.    Die    können    dann    im    Regelwerk    der    Strategie    dazu    führen,    dass    Transaktionen vorgenommen   werden,   die   mit   korrekten   Daten   nicht   passiert   wären.   Daher   empfiehlt   es   sich   nur   qualitativ   hochwertige   Kursdatenanbieter   auszuwählen   und   Techniken   zum Filtern von fehlerhaften Kursdaten einzusetzen. Das   Regelwerk   einer   systematischen   Handelsstrategie   wird   auf   Basis   historischer   Kursverläufe   oder   anderer   Daten   erstellt   und   bewertet.   Für   den   künftigen   Erfolg   einer Strategie,   ist   die   Auswahl   dieser   Daten   entscheidend.   Denn   die   Strategie   wird   künftig   umso   bessere   Entscheidungen   treffen,   je   ähnlicher   die   künftigen   Preisdaten   mit   denen der   Vergangenheit   übereinstimmen.   Wird   ein   Regelwerk   beispielsweise   mit   Daten   erstellt,   die   lediglich   einen   Bullenmarkt   mit   steigenden   Preisen   beinhalten,   so   kann   später   die Strategie   in   einem   Bärenmarkt   mit   fallenden   Preisen   Probleme   bekommen   und   die   erwarteten   Ergebnisse   nicht   mehr   liefern.   Mag   dieses   Beispiel   noch   sehr   offensichtlich   sein, können   im   Regelwerk   auch   Elemente   der   Daten   zu   Kauf-   und   Verkaufsentscheidungen   relevant   sein,   die   nicht   so   offen   in   Erscheinung   treten.   Solche   Veränderungen   in   den Kursverläufen werden auch Strukturbrüche genannt. Es   werden   auch   automatisierte   Handelsstrategien   eingesetzt,   welche   Nachrichten   interpretieren.   Jedoch   sind   die   Algorithmen   bisher   nur   eingeschränkt   in   der   Lage   diese Nachrichten   wirklich   zu   interpretieren.   Vielmehr   wird   bei   der   Veröffentlichung   von   Wirtschaftsdaten   lediglich   die   Kennzahl   mit   dem   erwarteten   Wert   verglichen   und   danach   eine vorher   festgelegte   Transaktion   vollzogen.   Die   wirkliche   Interpretation   der   Kennzahl   und   die   Einordnung   in   gesamtwirtschaftliche   Zusammenhänge   bleibt   bisher   weiterhin   dem Händler vorbehalten. Ein fest definiertes Regelwerk und die automatische Umsetzung dieser Logik beinhaltet auch wesentliche Vorteile für den Handel. Ein   grundlegender   Vorteil   automatisierter   Handelssysteme   liegt   in   der   Tatsache   begründet   mehr   Kontrolle   über   das   im   Trading   eingesetzte   Vermögen   zu   bekommen.   Das Tradingkapital unterliegt durch fest eingerichtete Parameter einem permanentem Riskcontrollingprozeß. Der   diskrektionäre   Handel   kann   sehr   stark   von   Emotionen   geprägt   sein.   Durch   stressbedingte   Angst   und   Gier   werden   Entscheidungen   häufig   nicht   mehr   rational   getroffen.   Es fällt   vielen   Händlern   schwer,   eine   Position   die   eben   noch   deutlich   im   Gewinn   war   und   danach   einen   Teil   dieser   Gewinne   wieder   abgegeben   hat   zu   verkaufen.   Er   zögert.   Er wartet   ab.   Schmelzen   die   Gewinne   weiter   dahin   oder   gerät   die   Position   sogar   in   die   Verlustzone,   fällt   es   umso   schwerer   die   Entscheidung   zu   treffen   die   Position   zu   schließen. Ein   automatisiertes   Handelssystem   kennt   dieses   hemmende   Zögern   nicht.   Sobald   das   Kriterium   erfüllt   ist,   eine   Position   zu   schließen   wird   die   Order   beim   Broker   platziert   und die Position geschlossen. Stress und auch Langeweile sind weitere Emotionen, welche den diskretionären Handel beeinflussen können. Ein   entscheidender   Vorteil   eines   festgelegten   Algorithmus   ist,   dass   dieser   getestet   werden   kann.   sobald   eine   Handelsidee   gefunden   ist,   kann   diese   anhand   von   historischen Daten   simuliert   werden.   Häufig   stellt   sich   dabei   heraus,   dass   diese   Idee   zwar   im   aktuellen   Marktumfeld   profitabel   war,   geht   man   jedoch   nur   einige   Tage   oder   Wochen   zurück, zeigt   sich   dass   die   Handelsidee   in   diesem   Zeitraum   horrende   Verluste   produziert   hätte.   Hat   man   ein   erfolgreiches   Regelwerk   gefunden,   kann   dieses   konsequent   in   einer Testphase   in   Echtzeit   simuliert   werden,   bevor   die   Umsetzung   im   realen   Handel   erfolgt.   Wenn   kein   festes   Regelwerk   vorhanden   ist,   wird   bei   der   visuellen   Prüfung   einer vermeintlichen Logik gerne der eine oder andere verlustbringende Trade übersehen. Ein   weiterer   Vorteil   von   mechanisch   umgesetzten   Tradingstrategien   liegt   in   der   Vermeidung   von   Eingabefehlern   bei   der   manuellen   Ordererteilung.   Die   Verwechslung   von Preis-   und   Ordergröße   sind   nicht   selten   der   Grund   für   erhebliche   Verluste   oder   gar   Marktverwerfungen.   So   war   bereits   häufiger   in   den   Nachrichten   zu   lesen,   dass   für Kursverwerfungen ein "Fat-Finger" verantwortlich war. Dies bedeutet nichts anderes, als dass ein Händler bei der Eingabe einer Order sich vertippt hat. Durch   den   Einsatz   einer   automatisierten   Strategie   lassen   sich   zudem   erhebliche   Produktivitätsfortschritte   erzielen.   Der   Roboter   arbeitet   in   der   Regel   völlig   selbstständig.   Die Tätigkeit des Traders beschränkt sich lediglich auf die Überwachung des Roboters und verschafft dem Trader Zeit. Der   Einsatz   von   Handelssystemen   zur   Verwaltung   vom   fremden   Vermögen   bietet   dem   Anleger   zudem   einen   entscheidenden   Vorteil.   Wenn   ein   Anleger   in   die   Geschicke   eines Vermögensverwalters   oder   Fondsmanagers   investiert,   kann   sich   der   Investmentstil   ändern,   sobald   der   Fondsmanager   ausgewechselt   wird.   Dies   erfährt   ein   Anleger   meist   nicht oder   zu   spät.   Beim   Investment   in   eine   algorithmische   Strategie,   hat   der   Investor   dieses   Risiko   nicht.   Er   kann   sich   sicher   sein,   dass   die   Strategie   exakt   gemäß   den   Regeln umgesetzt wird, auch wenn der Verantwortliche im Urlaub, krank oder auf eine andere Weise verhindert ist.
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